Über die „Rück-Bindung“ und das Thomas Evangelium

Über Politik und Religion redet man nicht – stimmt das?! Oder nur hinter vorgehaltener Hand, mit Freunden oder Menschen, die sich als „Wissende“ bezeichnen? Ich möchte hier einmal mit diesem Tabu brechen … und bin auf die Reaktionen gespannt!

Grundsätzlich möchte ich im Vorfeld sagen, dass ich mich (wenn ich mich zurückerinnere, seitdem ich „denken“ kann) mit den unterschiedlichen Glaubensrichtungen – zeitweise sehr intensiv – beschäftigt und in allen für mich sehr wertvolle Anregungen und Weisheiten, Anbindungen, Hoffnung, Trost und Bestätigungen gefunden habe. Mir sind alle Menschen lieb – egal welchem Glauben sie anhängen. Natürlich gibt es auch unbelehrbare Fanatiker aller Glaubensrichtungen – über die rede ich hier aber nicht.

Bei allen Religionen habe ich Menschen erlebt, die bestimmte Werte zum (er-)leben bringen. Diese sind aus meiner Erfahrung ähnlich: Liebe, Verständnis, Aufrichtigkeit (um hier nur einige wenige aufzuzählen) aber auch fast „alltägliche“ Verhaltensweisen wie Commitment, Anleitungen um Ziele und Visionen zu realisieren, Beispiele für: „Wie gehe ich mit meinen Eltern, älteren Menschen etc. um“ – und noch vieles mehr! Ich würde mir wünschen öfter die Gelassenheit zu haben diese Ratschläge zu beherzigen …

Bei meinen Seminaren sage ich oft: „Ich bezeichne mich als sehr gläubigen Menschen – und unterscheide deutlich zwischen Glaube und Kirche!“ Gerade jetzt – wahrscheinlich noch durch die Titelseite des SPIEGEL aus letzter Woche angeheizt – sollte man darüber nachdenken und die Institution Kirche nicht mit der „Rück-Bindung“ (die wörtliche Übersetzung von Religio) verwechseln! Bücher wie „Ein Wochenende mit Gott“ oder „Lebe jetzt“ sind Bestseller und zeigen, wie sehr die Menschen auf der Suche nach Sinn, nach „Rück-Bindung“ sind. Ich will auch denjenigen, die sich als Atheisten bezeichnen, nicht zu nahe treten, sondern nur gedankliche Anregungen geben.

Wo Menschen sind werden Fehler gemacht und nur zu oft setzen wir Thema und Mensch auf die gleiche Stufe. „Wenn DER so handelt, kann die Branche nur schlecht sein … J“ oder „Wenn Priester übergriffig sind, ist die Religion schlecht…“ FALSCH! Verwechsele nicht das Eine mit dem Anderen!

Das „Thomas Evangelium“ ist z.B. ein Text, der mich immer wieder inspiriert und bei dem ich oftmals erkenne, wie oft Sinngleiches in den verschiedensten Situationen und unterschiedlichsten Disziplinen mit anderen Worten umschrieben wird. Woher kommt dieses „Thomas Evangelium“ und was ist es?

1945 – 47 wurden in Nag Hammadi, einem Ort in Oberägypten, in einem Krug dreizehn in Leder gebundene Papyrusbücher gefunden – das sind die einem bestimmten Personenkreis bekannten „Qumram-Rollen“.

Abgesehen von seinem Prolog besteht das Thomas-Evangelium aus 114 Logien, vermischten, in etwa thematisch geordneten Sprüchen. Allen Logien ist gemeinsam, dass Jesus in ihnen auftritt, indem er kurz und bündig (meist in 2-3 Sätzen oder innerhalb eines Kurzdialogs mit einem seiner Jünger), ein Thema anspricht. Ein größerer Schwerpunkt sind der nachdrückliche Hinweis auf die fundamentale Einheit alles Seienden und das jedem Menschen grundsätzliche Lichthafte, die Unterscheidung zwischen Lebenden und Toten sowie der damit zusammenhängende Begriff der Auferstehung.

Zu bemerken sei noch, dass die Essener-Gemeinde von Qumran circa um 68 nach Christus im römisch-jüdischen Krieg von den Römern zerstört wurde. Jedoch gelang es den Bewohnern von Qumran ihre geistigen Schätze vor den Römern in den nahegelegenen Höhlen zu verbergen.

Ich möchte hier auch nicht auf die Person Jesus eingehen – mit geht es um die Wahrheit dahinter. Hier möchte ich einmal einige der für mich berührenden Textstellen auflisten:

„Wenn die, die euch führen, euch sagen: Seht, das Königreich ist im Himmel, so werden euch die Vögel des Himmels vorangehen; wenn sie euch sagen: es ist im Meer, so werden euch die Fische vorangehen. Aber das Königreich ist in eurem Inneren, und es ist außerhalb von euch. Wenn ihr euch erkennen werdet, dann werdet ihr erkannt, und ihr werdet wissen, dass ihr die Söhne des lebendigen Vaters seid. Aber wenn ihr euch nicht erkennt, dann werdet ihr in der Armut sein, und ihr seid die Armut.“

„Siehe, da ging ein Sämann hinaus, füllte seine Hand und warf (die Samen). Ein Teil davon fiel auf den Weg, die Vögel kamen, sie aufzusammeln. Andere fielen auf den Felsen, und sie schlugen keine Wurzeln in der Erde und brachten keine Ähren hervor zum Himmel. Und andere fielen auf die Dornen; sie erstickten die Saat und der Wurm fraß sie. Und andere fielen auf die gute Erde, und sie gab eine gute Frucht zum Himmel; sie brachte sechzig Maß und hundertzwanzig Maß.“

„Kein Prophet wird in seinem Dorf aufgenommen, kein Arzt heilt die, die ihn kennen.“

„Wenn ein Blinder einen Blinden führt, fallen sie beide hinunter in eine Grube.“

„Warum wascht ihr das Äußere der Trinkschale? Versteht ihr nicht, dass der, der das Innere gemacht hat, auch der ist, der das Äußere gemacht hat?“

„Wer sucht, der wird finden, und der, der an das Innere anklopft, dem wird geöffnet werden.“

„Wehe dem Fleisch, das von der Seele abhängig ist; wehe der Seele, die vom Fleisch abhängig ist.“

„Das Königreich, an welchem Tage wird es kommen? Jesus sprach: Es wird nicht kommen, indem man darauf wartet. Man wird nicht sagen: Seht, hier ist es, oder: Seht, dort ist es. Sondern das Königreich des Vaters ist ausgebreitet über die Erde, und die Menschen sehen es nicht.“

Gerne lese ich Eure Feedbacks …

Euer

Dirk