Verantwortung tragen!

Nachdem ich nun eine Nacht über meinen letzten Blog geschlafen habe, bemerke ich, dass aus meiner Sicht noch ein wichtiger Aspekt in diesem Zusammenhang mit hinzukommen sollte: Verantwortlichkeit!

Wenn wir z.B. in der Rolle der Eltern sind, dann sieht es natürlich anders aus, als im gestrigen Blog beschrieben. Wir können nicht fragen: „Wie möchtest Du das ich reagiere?“ – das wäre unverantwortlich. Bequem ja – aber unverantwortlich. Warum bequem? Weil man damit einer Auseinandersetzung aus dem Weg geht! Eltern kennen die Situation: Da möchte das Kind mitten im Winter (wenn Schnee liegt) dünne Sommerschuhe anziehen, oder die 14- jährige will zu Hause rauchen (und ich rede hier nicht vom 1. Experiment, sondern davon, es so zu tun, wie es „Erwachsene“ tun – als Selbstverständlichkeit & Normalität). Da sind wir als Erzieher gefragt und nicht, wie es das Kind am liebsten hätte. In erster Linie sind wir dann ELTERN und Erzieher und keine Freunde. Ich möchte hier erst gar nicht mit der Pubertät anfangen, in der die Jugendlichen lernen Grenzen zu akzeptieren, zu stecken und auf ‚“erwachsene Art“ mit den Konsequenzen zu leben.

Mein tiefer Wunsch ist es, mit meinen Kindern befreundet zu sein. Es macht mich stolz, wenn meine Söhne mit mir „männliche Probleme“ besprechen, wir über Mädels quatschen, wenn ich merke, dass meine Tochter nicht nur ein „Elternverhältnis“ zu mir hat, sondern mich auch fragt, wie ich die Kleidung finde, die sie anhat, was ich von der Musik halte etc.. Keine Ahnung, ob mich das selbst jung hält – aber es freut mich. Das alles darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass ich eben in erster Linie Vater bin. Das ich meine Kinder auch auf das Leben vorbereite, sie „fit mache“ für Herausforderungen. Und wenn wir unseren Kindern nicht in einem liebevollen Umfeld der Familie den Umgang mit Konsequenzen aufzeigen – sollen sie es später bei ihrem Arbeitgeber kennenlernen? Woher sollen sie wissen, dass gewisse Dinge „nicht gehen“ und es Auswirkungen  hat, wenn sie sich egoman, berechnend oder so benehmen, als wenn sich die ganze Welt um sie dreht?! Würde ich keine klare Zeit ansagen, wann wir z.B. am Sonntagmittag zum Essen fahren, würden wahrscheinlich einige aus unserem Haushalt mehrere Stunden damit verbringen, sich fertig zu machen, neu anzukleiden, die passende Mütze suchen … 🙂 .

Aber das ist nicht nur als Elternteil von Kindern so, sondern auch im Berufsleben. Sobald wir eine verantwortliche Position haben, sind wir nicht nur als Mensch mit dem Team in Verbindung, sondern auch als ausführendes „Organ“ für das Unternehmen. Mir fällt es teilweise immer noch schwer, da Grenzen zu ziehen…

Während ich als Freund Verständnis habe, ihn in Schutz nehme, verteidige um dann in einem 4- Augen Gespräch mitzuteilen, wie ich denke und fühle, was ich für sinnvoll erachte und frage, wie ich meinem Freund helfen kann (um dann evtl. in die Rolle des Coaches zu gehen) muss ich in der Rolle des „Vorgesetzten“ (wenn ich es denn bin) auch und insbesondere meine Rolle für das Unternehmen beachten. Wenn ich „Untergebener“ bin, kann und darf ich nicht meinen Freund als Vorgesetzten mit der Begründung bloßstellen, es sei ja gut gemeint und er solle sich nicht so anstellen. Muss nicht sogar eine Führungskraft Vorschläge seines Freundes besonders überprüfen um nicht mit dem Vorwurf der Vetternwirtschaft konfroniert zu werden?

Wir alle wissen, dass die Zusammenarbeit von (Ehe-)Partnern im Beruf eine besondere Herausforderung darstellt. Ich habe schon viele Ehen daran zerbrechen sehen, dass die Partner die verschiedenen Rollen nicht unterscheiden konnten. Während sie z.B. am Tag die Buchhaltung macht oder als Sekretärin fungiert und einfach FÜR DAS UNTERNEHMEN arbeitet, kann er nicht die Rolle des Chefs im Privatleben übernehmen und „zum Diktat bitten“.  Umgekehrt: Wenn „Sie“ Chefin ist und den Betrieb führt und meint, dass jetzt z.B. säumige Zahlungen angemahnt werden müssen, kann „Er“ als Unterstützung schlecht sagen „Schatz, mache Du das mal – ich habe jetzt was anderes zu tun.“ Wenn man diese Rollen nicht unterscheiden kann, dann sollte man „Schreibtisch“ und „Bett“ trennen – sonst wird es ein Desaster und eine Scheidung ist vorprogrammiert. Man/n spart evtl. „als ChefIn“ bis dahin eine 400,- € Kraft – aber die Trennung wird wesentlich teurer (vom seelischen Streß ganz abgesehen).

Als Berater stecke ich da in einer manchmal noch größeren Zwickmühle. Oftmals habe ich es mit Führungskräften und Geschäftsführern zu tun – manche kenne ich (gut) und mit wenigen bin ich befreundet. Hier muss ich nicht nur diese Ebene auseinanderhalten, sondern es kommt beim Geschäftsführer noch dazu, dass ich zwischen IHM und dem UNTERNEHMEN unterscheiden muss, denn es ist das Unternehmen, das mich beauftragt (welches der GF lediglich vertritt). Es geht dann nicht darum, ihn als „Kunden zu hofieren“ oder als „Freund zur Seite zu stehen“, sondern darum, dem Unternehmen beizutragen! Dann muss sich auch der Geschäftsführer „unangenehme Fragen“ stellen lassen. Ich weiß, dass das viele Berater anders sehen, weil sie ja den Kunden nicht verlieren wollen… .

Aber es ist aus meiner Sicht scheinheilig den Pharmakonzernen und den Ärzten, die Boni für das Verschreiben von bestimmten Medikamenten bekommen, Gewinnsucht zu unterstellen, während ich als Berater nur darauf achte, den Entscheidungsträgern nicht zu nahe zu kommen oder auf den Schlips zu treten und damit den Auftrag gefährde. Ob ich damit manchmal „den Kürzeren“ ziehe?! Es kommt auf die Sichtweise an, aber JA – den einen oder anderen Kunden habe ich dadurch schon verloren. Ich bleibe aber integer – ich kann sagen „Für das Unternehmen war es das Beste, was ich tun konnte.“

Das ist eines der Dilemmas in der man als Führungskraft steht – man muss lernen zu unterscheiden. Was ist das Beste für das Unternehmen? Was ist das Beste für den Freund? … und manchmal ist man hin- und hergerissen! Nicht umsonst ist die Grenze zwischen „Bevorzugung“, „Vetternwirtschaft“ und einem echten „Freundschaftsdienst“ fließend.

Dieser Herausforderung muss ich mich täglich stellen – und manchmal will ich es nicht! Aber ich habe es gewählt, also tue ich mein Bestes!

Ihr/ Euer

Dirk (Jakob)

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