Hilfe erbeten …

Wahrscheinlich kennen viele diese Geschichte:

Da kommt ein armer Bettler aus dem Wald, unterernährt, kein Geld, zerrissene Kleider und hat schon lange nichts mehr gegessen. Er sieht an einem Fluss einen Mönch angeln, geht auf ihn zu und fragt: „Lieber Mönch, bitte gebe mir einen von Deinen vielen Fischen die Du in Deinem Käscher hast – Du brauchst sie sicher nicht alle und ich habe seit Tagen nichts mehr gegessen und verhungere fast.“ Der Mönch schaut ihn liebevoll an und sagt: „Nein, dass möchte ich nicht tun.“ Der Bettler ist völlig verwirrt, irritiert und sagt „Warum bist Du so herzlos?“ Daraufhin antwortet der Mönch „Mein Freund, wenn ich Dir einen Fisch gebe, bist du Morgen wieder hungrig und Dir ist nicht geholfen. Lass mich Dir wirklich helfen und Dir zeigen wie man angelt, dann hast Du immer etwas zu essen!“

Eine auf den ersten Blick herzlose Tat eines gottesfürchtigen Mannes stellt sich also als etwas wahrhaft Großes dar – erlebte, unterstützende SELBSTHILFE.

Dauerhafte Almosen helfen in vielen Fällen nicht – im Gegenteil, sie behindern das eigene Wachstum! Menschen immer wieder nur Almosen gegeben, bestätigt ihre scheinbare Hilflosigkeit.

Was daraus wird, kann man gut in armen Ländern erkennen, in denen Menschen schon seit Jahrzehnten mit „Hilfen“ abgespeist werden, in denen ihnen jegliche Eigenmotivation fehlt ihr Leben selbst „in den Griff zu bekommen.“ Das ist die wirkliche Armut! Glauben, sich nicht wirklich selbst helfen zu können… Selbstverständlich gibt es auch Situationen, in denen sofortige Hilfe eine echte Unterstützung ist – darüber reden wir hier nicht. Ich spreche hier über Menschen, die dauerhaft Hilfe oder Unterstützung anfordern.

Hier zeigen sich mehrere Aspekte: Zum Einen gibt es Menschen (und ich gebe zu, dass ich immer mal wieder auch zu dieser Spezies gehöre) die – wenn man ihnen tief in die Augen schaut und um Hilfe bittet – kaum „Nein“ sagen können. Zum Anderen haben viele Menschen gelernt, wie sie „schauen müssen um ein Ja zu bekommen.“ Treffen die 2 aufeinander ist scheibar alles gut – aber eben nur scheinbar.

Mir ist es häufig passiert, dass dann folgendes passiert: Man selbst gibt etwas, aber statt Dankbarkeit zu erfahren, wird es entweder als selbstverständlich hergenommen (das ist seltener) oder nach einiger Zeit wendet sich sogar derjenige, dem man gegeben hat – scheinbar völlig unvernünftig –, gegen den Geber (das passiert öfter). Energetisch kann man das auch gut erklären: Es besteht ein Ungleichgewicht! Eine gute Lösung ist es, klare Vereinbarungen zu treffen „Danke, dass Du mir geholfen hast. Ich werde es Dir ab dem … in Raten von … zurückgeben.“ – wenn es denn ein geliehener Geldbetrag ist. Bei einem Geschenk ist das sicher anders …

Spricht dann der Geber den Nehmer  (der i.d.R. über weniger Selbstbewusstsein verfügt, da dies aufgrund der Situation oftmals „begünstigt“ wird) an, kommen oftmals „Ausreden“, die – selbstverständlich vom Nehmenden glaubhaft und mit aller Imbrunst vorgetragen werden – wiederum die Eigenverantwortlichkeit schmälert. Richtig schwierig wird es, wenn derjenige, der „in der Schuld steht“ diese eigene Hilflosigkeit als Begründung der nicht eingehaltenen Vereinbarungen macht und auf Verständnis pocht!

Fragt dann der „Hilfebedürftige“ nach noch mehr Hilfe/ Unterstützung, die ihm unter Umständen sogar von der gleichen Person  gegeben wird, gibt es ein kurzes (oftmals intensives) Dankeschön – aber der Graben wird tiefer (wenn eben nicht entsprechende Vereinbarungen getroffen werden). Vorher war man „der Gute und Nette“ – das kann sich auf einmal schnell ändern! Kann der Nehmende die Vereinbarung nicht einhalten und hat nicht den Mut mit dem Gebenden zu sprechen, werden dann oft Begründungen gesucht, die der Nehmende später sogar selbst glaubt. „Ich kann ja nicht weil …“ oder „Der hat es auch nicht nötig…“ (s.o.).

Lehnt der Gebende dann weitere Hilfen ab oder versucht mit der Nehmenden ein „offenes Wort“ zu reden, reagieren viele mit Unverstänis und Beschuldigung. „Du verstehst mich nicht“, „Du kannst Dir nicht vorstellen wie es mit geht“ oder „Warum wendest Du Dich gegen mich?“. Um bei unserem Beispiel zu bleiben: Er gibt mir keine Fische mehr, der Hartherzige … und mein Gegenüber versteht einfach nicht, dass ich nicht angeln lernen KANN!

Es kommt aber noch eine andere Komponente dazu: Manche Gebende fühlen sich besonders gut, wenn sie geben können. Je nach Bewusstsein des Gebenden kann es sein, dass er sich in einer „Gönnerrolle“ sieht und unterbewusst seine Einstellung zu dem Nehmenden ändert. „Bei dem habe ich etwas gut…“ oder auch „Was bin ich für ein großzügiger Mensch…“. Ja, manchmal ist es sogar so, dass der Gebende deshalb gibt, weil er eben dieses Gefühl haben möchte und es gar nicht so sehr um den „Bittsteller“ geht … .

Oftmals ist es also eine echte Hilfe NICHT zu helfen bzw. Geld zu geben. Bequem ist es nicht – aber hilfreicher, fördernder und unterstützender. JA, es fällt mir persönlich oftmals schwer, aber es geht hier nicht um mich und mein Wohl, sondern um das meines Gegenübers! JA, es ist leichter einen Fisch zu verschenken als den Menschen mit der Frage zu konfrontieren „Willst Du angeln lernen?“, denn es kommt – wie oben beschrieben – dann manchmal zu diesen verärgerten, teils sogar bösen, Reaktionen.

Es gibt aber noch einen Aspekt: Ich bin der tiefen Überzeugung, dass alles im Leben einen Sinn hat, auch wenn man es z.T. in der Situation nicht versteht (und auch das passiert mir häufiger). Menschen halten oft an „Dingen“ oder Verhaltensweisen, Einstellungen so sehr fest, dass es leichter ist zu leiden, als sich zu ändern/ zu wachsen! Selbstverständlich möchte die Person an dem Ort wohnen bleiben und die Wohnung halten, selbstverständlich will sie keine Verluste machen, selbstverständlich … . Aber: Hand auf´s Herz – WISSEN wir wirklich was gut ist? Kann es nicht sein, dass es besser wäre den Ballast abzuwerfen und wieder frei zu sein, statt sich mit „Eigentum“ zu geißeln?! Ist es nicht die Gier die sagt „Ich muss das halten?“ die Sorge die sagt „Du musst um den Job kämpfen, koste es was es wolle“ die Angst ein schlechter Vater zu sein, der sagt „Du musst Dein Kind unterstützen, auch wenn es Geld kostet, dass ich eigentlich nicht habe?“ Kann es nicht sein, dass uns das Leben den starken Hinweis gibt, dass wir doch das Haus verkaufen sollten, um wieder freier atmen zu können, flexibler zu sein, mehr Lebensqualität zu genießen, mehr Energie für wichtigere Sachen zu haben …?! … oder das wir unser Kind seinen Weg allein gehen lassen sollten, dass es lernen sollte, eigenverantwortlich zu handeln?!

Gibt das Leben uns nicht Hinweise, dass wir uns ändern müssen um zu wachsen?! Denn Wachstum ist eines unserer (oftmals unterbewussten) stärksten Bedürfnisse!

Menschen im Network kennen das: Da wird eine wirkliche Alternative angeboten aber – statt das sich der Gegenüber bedankt – wird beschuldigt. EINFACHER ist es nachzugeben – BESSER ist es ehrlich zu bleiben. Auch wir brauchen dann nicht zu beschuldigen und erwidern „Du bist ignorant“ – wir können akzeptieren und dann entsprechend handeln. Und das ist das Wichtigste: entsprechend handeln, NICHT geben, mit offenem Herzen bei der Person bleiben, die Verzweifelung erkennen, ja sogar die Beschwerden und verzweifelten Bemühungen hören, warum unser Gegenüber aus eigener Sicht heraus nicht kann… . Aber im übertragenen Sinne sage ich dann oft: „Ich sehe, dass Du im Schlamassel sitzt und gerne reiche ich Dir meine Hand – aber bitte verlange nicht von mir, mit in den Sumpf zu springen.“

Erst letztens hatte ich ein solches Gespräch – und nun beschwert sich diese Person, die ich seit Jahren kenne und wirklich in mein Herz geschlossen habe, dass ich sie nicht mehr mag, sie nicht verstehe, sie beschwert sich bei anderen, dass ich mich doch geändert hätte, beschuldigt – drückt ihren Schmerz aus! Ich habe aber nur einen Grund in diesen Situationen offen zu sein: DER MENSCH HAT ES NICHT VERDIENT SICH IN ABHÄNGIGKEITEN ZU BEGEBEN! – und genau das zu erkennen tut manchmal unendlich weh!

Lasst uns eines tun: dem Wachstum und der Größe der Menschen verpflichtet sein – und nicht als Gönner durchs Leben schreiten und Menschen in ihren begrenzten Mustern zu bestätigen. Das tun wir auch beim NfH – Hilfe zu Selbsthilfe! Nicht mehr – aber auch nicht weniger!

Ihr/ Euer

Dirk (Jakob)

Ein Kommentar zu „Hilfe erbeten …

  1. Danke für den tollen Beitrag.
    Die Vorgehensweise ist nicht immer leicht umzusetzen, aber doch die bessere.

    Jeder der Kinder hat, kennt die Situation, daß es „jetzt im Augenblick“ leichter und schneller geht, wenn wir dem Kind die Schuhe „mal eben“ zubinden. Aber damit ist das Kind auf ewig (was diesen Punkt angeht) von uns und anderen abhängig.

    Danke
    Oliver

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