Das Leben als Coach …

Vielleicht ist es bekannt, dass mich einige Personen als Coach ausgesucht haben und ich – teilweise schon seit Jahren – mit recht wenigen auf diese Weise zusammen arbeite. So ein „Verhältnis“ muss immer auf Gegenseitigkeit beruhen, denn mein Anspruch an einen Coach (den ich auch meinen Coaches stelle) ist der, dass er mich in meiner gesamten Person, meinen Absichten, meiner Ausrichtung etc. erfasst. Es sollte also immer ein „gegenseitiges Einlassen“ sein.

Irgendwann kommt bei vielen Leuten aber ein Punkt, an dem der Coachee (also der Gecoachte) ausbricht und „nicht hören“ will. „Nicht hören“ könnte man auch als „nicht hinsehen wollen“ bezeichnen – aber genau das ist ein Punkt, der für ein Weiterkommen entscheidet. So hatte ich einige Coachees, die dann entschieden haben, die Zusammenarbeit auf dieser Ebene abzubrechen – und das ist auch immer ok, denn ein solches Verhältnis muss beiderseitig immer freiwillig und voller Vertrauen sein. Im Nachhinein habe ich dann oftmals beobachtet, dass diese Personen sich andere „Coaches“ gesucht – und wieder regelmäßig gewechselt – haben. Es ging ihnen anscheinend also nicht darum, „Kernthemen“ zu lösen, sondern einfach nur Bestätigung zu erhalten… . Sagt man es diesen Personen dann aber, so streiten sie es ab „Das ist nicht mein Thema“ oder „Das sehe ich als nicht wichtig an…“ – und eine noch bessere Variante „Die verstehen mich alle nicht!“

Es gibt aber auch Leute – und wahrscheinlich kennt die jeder – die immer bis zu einem bestimmten Punkt kommen und dann stagnieren. Arbeitet man mit ihnen weiter, weist sie auf blockierende Verhaltens- und Denkweisen hin, dann fühlen sie sich entweder unverstanden („Du verstehst nicht worum es mir geht…“), streiten es ab („Das kannst Du so nicht sehen.“ – da frage ich mich, warum ich das nicht so sehen darf?!), weichen aus, beschuldigen („Das ist DEIN Thema“) oder „wechseln das Spielfeld„. Dieses „Spielfeld wechseln“ meint, dass in einer Krise innerhalb der Partnerschaft einfach „eine/r Neue/r“ gefunden oder im Network das Unternehmen gewechselt wird.

Nun habe ich aber festgestellt, dass es nie funktioniert wenn man das Spielfeld wechselt, aber seine „Spielweise nicht verändert“.  Interessant ist, dass anfänglich wieder die Begeisterung für das neue Unternehmen (oder die neue Partnerin) da ist, man sieht seine Zukunft positiv, steckt andere Leute an, ist pro-aktiv, optimistisch, arbeitssam und zielstrebig (alles Dinge, die man zum Erfolg im Network braucht) – und es klappt auch! Hah, denkt man sich dann – der Wechsel war richtig …

Bis man dann wieder an den gleichen Punkt kommt und man bemerkt, dass doch nicht „das Gras so grün ist wie man dachte“, dass „auch hier mit Wasser gekocht wird“ und man viele Leute findet, die auch innerhalb dieses Unternehmens keinen Erfolg haben. Was passiert? Man sieht es nicht mehr so positiv, kommt bei den Leuten anders rüber („Wie kann ich denn begeistert sein, wenn ich weiß, dass hier einiges im Argen liegt?“ oder „Es funktioniert bei anderen auch nicht besser“), ist verhaltener, zurückhaltender, reduziert die Aktivität und begibt sich auf Fehlersuche! Und was passiert? Man findet mehr Fehler!

WARUM findet man mehr Fehler? WEIL MAN DEN FOKUS VERÄNDERT HAT!

Das einzige was passiert ist, ist, dass man den Fokus gewechselt hat und nun auf andere Dinge achtet! Und genau das war der Grund, warum die vorherige Beziehung in die Brüche gegangen ist/ der Erfolg im vorherigen Unternehmen zurückgegangen ist. Man sucht nicht mehr die Dinge heraus warum es klappt, sondern warum es NICHT klappen kann, ist weniger inspirierend – eher analysierend, weniger mutig – eher verzweifelt, weniger zielstrebig – eher auf dem Wasser treibend, weniger Führer – eher durch Probleme geführt.

Man sucht Entschuldigungen für seinen eigenen Mißerfolg, man wechselt die energetische Ausrichtung – und wird prompt mit „Misserfolg“ bestätigt. „Du siehst doch, dass es aus …. Gründen nicht klappt! Du siehst doch, das ich Recht habe.“ Ok – wenn es nur darum geht Recht zu behalten… . Viele Leute opfern fast ALLES, nur um Recht zu behalten! Beziehungen, Partner- und Freundschaften … alles!

Zurück zu den „Fehlern“: Fehler sind nichts anders als persönliche Standpunkte von denen man glaubt, dass sie der Wahrheit entsprechen und die Situation nicht so ist, wie man glaubt, dass sie sein müsste! Es ist ein „Fehler“ das die Zahnpastatube auf ist, dass die Schuhe im Flur stehen, dass man im stehen pinkelt, dass man … . Es ist ein Fehler, wenn dem Network – Unternehmen Fehler passieren, wenn die Produktverpackungen nicht verändert werden, wenn wenn wenn … .

WER SAGT DAS?!

Es passiert was passieren muss: Das Spiel beginnt von vorne! Weißt man als Coach die Menschen dann darauf hin, so kommen eben die Aussagen „Aber ich habe doch Recht, dass ..“ oder „Siehst Du nicht, dass …“ JA KLAR – aber was hat das mit der persönlichen Einstellung zu tun? Was hat das mit der persönlichen Sichtweise zu tun? Absolut nichts… es sei denn, man glaubt zu wissen, was die „Wahrheit“ ist!

Wahr ist, dass uns das Leben vor Situationen stellt, vor Aufgaben, die wir lösen dürfen, denn wir haben uns dem Wachstum verpflichtet (das habe ich ausführlicher in einem anderen Beitrag an dieser Stelle beschrieben). Wahr ist auch, dass wir – lernen wir diese Herausforderungen nicht zu meistern – immer wieder an „die gleiche Stelle kommen“, immer wieder „dem gleichen Typen Mensch begegnen“ – wenn wir nicht einsehen/ lernen.

Es ist für mich dann traurig zu sehen was passiert und Menschen sich – teilweise sogar persönlich beleidigt – zurückziehen, in die Beschuldigung gehen, stur werden. Auch das Ergebnis ist meist klar; statt dann aber wieder das Gespräch mit dem „alten Coach“ aufzunehmen, wird einen neuer gesucht, der einen dann „besser versteht“, weil er seine Wahrheiten besser „abkauft“. Nur wenige haben die menschliche Größe dann zurückzukehren und zu sagen „Irgendwas stimmt da nicht – ich bin wieder am gleichen Punkt wie schon vor XX Monaten.“

Wenn wir also besonders auf etwas bestehen, dann sollten wir nachdenken!

… und wir sollten als Coaches Menschen lieben und ihnen vertrauen, dass sie ihren Weg finden.

… und als Coachees unserem Mentor/ Coach vertrauen und uns nicht zurückziehen, sondern uns der Situation stellen!

Das das nicht immer einfach ist, ist klar. Aber wer hat gesagt, dass es immer einfach gehen muss?! 🙂

Ihr/ Euer

Dirk (Jakob)

3 Kommentare zu „Das Leben als Coach …

  1. Eine Situationsbeschreibung, die mir nur allzugut bekannt ist. Manchmal habe ich mir schon überlegt, ob ich meinen Betrieb nicht lieber Cassandra GmbH nennen soll. Allerdings kommt mir in diesem Zusammenhang immer wieder der Psychologe Alfred Adler in den Sinn. Menschen haben sich halt einen dicken Panzer zugelegt, um sich vermeindlich zu schützen. Erst wenn dieser durch eine Erschütterung einen Riss bekommt, hat man die Chance, zu ihnen durchzudringen. Wann und woher kommt nun dieser Riss?

  2. 🙂

    Der Riss ist oftmals eine durch Leid und Schmerzen verursachte Erschütterung des „eigenen Weltbilds“ und des Emotionalkörpers. Bert Hellinger hat gesagt: „Leiden ist leichter als wachsen“

    Es ist dann wichtig, diesen „Riss“, der oftmals als Verletzung wahrgenommen wird, auf einer anderen Ebene aber nichts anderes ist als mit einer „anderen Wahrheit“ konfrontiert zu werden und seine Sensibilität stark zu erhöhen, weiterhin offen zu halten. Also – statt wieder zu „mauern“ – weiterhin empfindsam sich und anderen gegenüber sein, weiterhin in sich den Schmerz spüren und ergründen, wo er herkommt … dann ist echtes Wachstum möglich!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s