Es interessiert mich nicht…

von Oriah Mountain Dreamer, Indianischer Stammesältester

Es interessiert mich nicht …womit du deinen Lebensunterhalt verdienst.
Ich möchte wissen, wonach du innerlich schreist und ob du zu träumen wagst, der Sehnsucht deines Herzens zu begegnen.

Es interessiert mich nicht …wie alt du bist.
Ich will wissen, ob du es riskierst, wie ein Narr auszusehen, um deiner Liebe willen, um deiner Träume willen und für das Abenteuer des Lebendig seins.

Es interessiert mich nicht …welche Planeten im Quadrat zu deinem Mond stehen.
Ich will wissen, ob du den tiefsten Punkt deines eigenen Leids berührt hast, ob du geöffnet worden bist von all dem Verrat, Missbrauch und Gewalt oder ob du zusammengezogen und verschlossen bist aus Angst vor weiterer Qual.
Ich will wissen, ob du mit dem Schmerz – meinem oder deinem – dasitzen kannst, ohne zu versuchen, ihn zu verbergen oder zu mindern oder ihn zu beseitigen.
Ich will wissen, ob du mit Wildheit tanzen und dich von der Ekstase erfüllen lassen kannst, von den Fingerspitzen bis zu den Zehenspitzen, ohne uns zur Vorsicht zu ermahnen, zur Vernunft oder die Grenzen des Menschseins zu bedenken.

Es interessiert mich nicht …ob die Geschichte, die du erzählst, wahr ist.
Ich will wissen, ob du jemanden enttäuschen kannst, um dir selber treu zu sein.
Ob du den Vorwurf des Verrats ertragen kannst und nicht deine eigene Seele verrätst.
Ich will wissen, ob du vertrauensvoll sein kannst und von daher vertrauenswürdig.
Ich will wissen, ob du Schönheit sehen kannst, auch wenn es nicht jeden Tag schön ist, und ob du dein Leben aus Gottes Gegenwart speisen kannst.
Ich will wissen, ob du mit dem Scheitern – meinem oder deinem – leben kannst und trotz allem am Rande des Sees stehenbleibst und zu dem Silber des Vollmonds rufst: „Ja!“

Es interessiert mich nicht … zu erfahren, wo du lebst und wie viel Geld du hast.
Ich will wissen, ob du aufstehen kannst nach einer Nacht der Trauer und der Verzweiflung, erschöpft und bis auf die Knochen zerschlagen und tust, was für die Kinder getan werden muss.

Es interessiert mich nicht …wer du bist und wie du hergekommen bist.
Ich will wissen, ob du mit mir in der Mitte des Feuers stehen wirst und nicht zurückschreckst.

Es interessiert mich nicht … wo oder was oder mit wem du gelernt hast.
Ich will wissen, was dich von innen hält, wenn sonst alles wegfällt.
Ich will wissen, ob du allein sein kannst und in den leeren Momenten wirklich gern mit dir zusammen bist.

8 Kommentare zu „Es interessiert mich nicht…

  1. WOW!!!

    Dirk – darf ich das kopieren?

    Dieser Text hat mich innerlich und äußerlich zutiefst berührt und ich würde ihn gerne weitergeben – zu gegebener Zeit, wenn ich darf 🙂

    DANKE für das Teilen von dir mit uns/mir 🙂

    Die folgende Geschichte passt jetzt nicht so wirklich dazu und doch schon auch 🙂

    Sie war meine Lieblingsgeschichte zu den Themen:
    Mut zu Ungewohntem, Neuem – nein danke??!!
    Was Beifall und schnelle Zustimmung in der Bewährung wert sein können …

    Der Seiltänzer:

    In einer Stadt führte ein Seiltänzer in schwindelnder Höhe seine Kunststücke vor. Zum Schluss die Hauptattraktion: Er schiebt eine Schubkarre über das schwankende Seil. Als er sicher an der anderern Seite angekommen ist, fragt er die Zuschauer, ob sie es ihm zutrauen, die Karre auch wieder zurückzuschieben. Die Menge klatscht begeistert Beifall. Er fragt aber noch ein zweites Mal, und wieder erhält er zustimmenden Beifall. Dann fragt er einen einzelnen, der unten am Mast steht: „Sie, trauen Sie es mir auch zu, dass ich die Karre wieder zurückschiebe?“ „Aber sicher!“ ruft der zurück und klatscht. „Dann“, sagt der Akrobat, „dann kommen Sie doch herauf und steigen Sie ein, dann schiebe ich Sie hinüber!“ —
    Nein, so hatte er es nicht gemeint. Er wollte doch Zuschauer bleiben …

    Mit gaaanz lieben Grüßen

    Anita

  2. Das ist ein wunderschöner Text. Er begleitet mich seit Jahren und inspiriert mich immer wieder aufs Neue. Immer wieder tritt ein anderer Vers mit mir in Ressonanz. Ist wirklich spannend.
    Er wurde aber nicht von einem Stammesältesten geschrieben, sondern von einer Frau. Einer Schriftstellerin aus Toronto.
    Liebe Grüße aus Bamberg,
    Heinrich

  3. WOW- das geht ins Eingemachte !!
    Wahrhaft ehrlich, klar und direkt.
    Ich bin sowas von beeindruckt,
    Danke für diese vielsagenden Worte.
    Groetjes vom Niederrhein 🙂

    Chris

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