Überlegen kann von Vorteil sein …

Es gab einmal einen Mann – nennen wir ihn Helmut – , der schon lange nach einer festen Arbeitsstelle suchte. Er bewarb sich, freute sich über jeden Vorstellungstermin und bemühte sich ernstlich Arbeit zu finden. Da das, was er vor langer Zeit gelernt hatte, kaum mehr gefragt war, überlegte er sich, was man sonst noch so alles machen könne und je weniger klappte, desto hektischer wurde er. Eines Tages wurde Helmut dann ein „echter Job“ angeboten …

Da er „in seinem Alter“ nach eigenen Bedenken, schon „froh sein musste, das er überhaupt etwas bekommt“, stellte er sich also als Holzfäller vor. Nun gab es Holzfäller mit Motorsägen und mit Äxten – aber alle Gerätschaften waren schon vergeben. „Da müssen sie schon ihre eigene mitbringen“ sagte der Vorarbeiter … und er tat es, obwohl seine Axt schon sehr alt war.

Am nächsten Tag lief Helmut motiviert in den Wald und schaffte es tatsächlich an einem Tag 12 Bäume zu fällen. Daraufhin holte ihn der Vorarbeiter in seine Hütte und meinte „Das ist aber wirklich gut – wenn Sie so weitermachen, dann können sie hier sicher fest arbeiten…“. Helmut freute sich und nahm sich vor am nächsten Tag nochmals alle zu überraschen und noch mehr Bäume zu fällen! Gesagt, getan und er bemühte sich am nächsten Tag ganz besonders, sodass er am Abend völlig fertig war. Er schritt die gefällten Bäume ab – und es waren nur 9. „Ach Du je…“ dachte er sich „schon am 2. ten Tag habe ich mit meiner Leistung nachgelassen, obwohl ich mich so bemüht habe. Wenn ich hier weiterarbeiten will – obwohl es für mein Alter eine echte Anstrengung ist und ich es kaum leisten kann – dann muss ich mich noch mehr anstrengen. Ich sollte einfach früher aufstehen und länger arbeiten…“

Und am 3. Tag setzte er es um, fing so früh an, dass er schon im Morgengrauen völlig übermüdet und körperlich kaum ausgeruht, mit seiner Axt die Bäume fällt. Er blieb, bis es so dunkel wurde und er nichts mehr sehen konnte. Danach zählte er die Bäume – und es waren nur 7, die er an diesem Tage gefällt hatte. „Was sollen die Leute bloss von mir denken?“ fragte er sich und hatte Angst gekündigt zu werden. „Bevor der Vorarbeiter auf mich zukommt, gehe ich lieber zu ihm.“

Am nächsten Tag war er wieder der erste im Wald und nachdem der Vorarbeiter froh gelaunt und ausgeruht eintraf, bat er ihn um ein Gespräch. „Ich habe mich so angestrengt und habe mich wirklich bemüht. Ich war sogar früher da als alle anderen und bin auch länger geblieben als der letzte… . Trotzdem konnte ich meine Leistung nicht wiederholen – ich brauche aber den Arbeitsplatz dingend.“ Das hörte sich sein Gegenüber gelassen an und sagte: „Ich habe mich schon gewundert, dass Sie sich in Ihrem Alter und mit Ihrer Lebenserfahrung bei uns beworben haben. Es war mir klar, das diese körperlich so anspruchsvolle Arbeit sicher nicht einfach für Sie ist. Scheinbar haben Sie sich ja wirklich bemüht, aber ich muss auch beurteilen, wie viel jeder einzelne schaffen kann. Nichts gegen SIE – aber es zählt ja hier die Anzahl der gefällten Bäume. Ich habe hier nur 2 Fragen an sie:

1. Wie viel Zeit haben Sie damit verbracht sich zu überlegen, was IHNEN Spaß macht und was viel eher Ihren Erfahrungen und Neigungen entspricht?

2. Wie viel Zeit haben Sie hier damit verbracht ihre Axt zu schärfen?“

Nun sackte Helmut in sich zusammen. Hatte ihn der Vorarbeiter ernsthaft gefragt, ob er sich überlegt hatte, was IHM gefällt?! Kannte er denn den Arbeitsmarkt nicht? Wusste er nicht, dass es viele Arbeitslose gab, die auf der Suche waren? Und dann die Frechheit, dass er fragte, ob er Zeit hatte, die Axt zu schärfen? War es denn nicht genug, dass er schon vor dem Hahnenschrei aufstand und im dunkeln ins Bett ging? Wurde noch mehr von ihm verlangt?!

Helmut schüttelte den Kopf, verstand die Welt nicht mehr und ging – dann musste er sich eben weiter und noch stärker bemühen …

Nun, was habt IHR aus dieser Geschichte herausgezogen? Als ich zum ersten Mal folgendes Zitat – welches Abraham Lincoln zugesprochen wird – gehört habe „Wenn ich 1 Stunde Zeit hätte einen Baum zu fällen, würde ich 45 Minuten darauf verwenden die Axt zu schärfen.„, hielt ich inne. Wo schlug ich immer wieder auf einen Baum ein ohne die Axt zu schärfen?! Was war das, was ich immer wieder versuchte, ohne einmal zurück zu treten und mir dann zu überlegen, ob es grundsätzlich gut ist, was ich da tue?!

Außerdem sehe ich immer wieder, dass Menschen sich zu etwas selbst zwingen, weil sie glauben, gar nicht anders zu können. Sie sind so auf einen bestimmten Weg fixiert, dass sie die Lösung gar nicht sehen, die ihnen das Leben bietet. Das wird Herz und Verstand geleugnet – verrückt! Wie viel Potential geht verloren, wie viel Spaß, wie viel Erfahrung wird nicht genutzt, wie viel Lebensfreude bleibt auf der Strecke, Hoffnungen und Visionen, die vergraben werden … – nur, weil ausschließlich eingefahrene Wege gegangen werden, der Mut bzw. das Selbstvertrauen fehlt und manchmal auch, weil man nicht lernen will auch wenn einen das Leben und die Umstände förmlich dazu zu zwingen scheinen!

Wo wollen wir nicht unserer Lebensvision folgen – ja verweigern sie sogar – und stellen stattdessen unsere „Vernunft“ an erste Stelle?

Wo setzen wir uns so unter Druck, dass wir gar nicht mehr dazu kommen durchzuatmen, uns Erholung und eine Auszeit zu gönnen und sind im viel zitierten Hamsterrad?

Nehmt Euch Zeit und schärft Eure Axt statt blindlinks auf das/ den Erstbesten einzuhämmern! Lasst uns schauen, worauf uns die Umstände aufmerksam machen wollen! Lasst uns gegenseitig darauf aufmerksam machen, wo wir die Hinweise des Lebens mißachten und unseren Willen/ unser Ego an erste Stelle stellen!

Denn auf dem Fluss des Lebens kann man entweder gegen den Strom schwimmen oder mit ihm auf der Welle surfen … das ist unsere Wahl!

Ihr/ Euer

Dirk (Jakob)

2 Kommentare zu „Überlegen kann von Vorteil sein …

  1. Danke, Dirk, für diesen wichtigen Impuls! »Warum es so wichtig ist, „warum“ zu fragen« nennt es ein anderer sehr guter Freund! Wenn wir etwas erreichen wollen, ein Ziel erreichen wollen, ist es wichtig, sich zu fragen, was die Motive sind. Wenn es nur der „Arbeitsmarkt“ ist, aber keine innere Verbundenheit (kein tieferer Sinn), dann haben wir nicht ausreichend überlegt. Dann ist es kein Job, mit dem wir uns „identifizieren“. Und dann ist nicht nur die Leistung suboptimal. Es ist auch die Zeit zu schade. Wir können mit „Sinnvollem“ viel mehr erreichen. Überlegt: was sind meine Big Five for Life!

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