Was ist eigentlich Networking?

Angeregt durch mehrere Kommentare und Fragen, die mich seit über 30 Jahren begleiten, möchte ich heute hier einmal auf die Frage eingehen: Was ist eigentlich networking? Wer macht das – und wozu?

Wikipedia sagt hier: „Netzwerker ist eine umgangssprachliche Bezeichnung für Menschen, die ein Beziehungsnetz (vgl. Soziales Netzwerk (Soziologie)) aktiv aufbauen und erweitern. Oftmals werden diese Beziehungen danach gewinnbringend eingesetzt. In diesem Zusammenhang kann „Netzwerker“ abwertend gemeint sein. Früher wurde dafür der Begriff der Vetternwirtschaft  verwendet.

Unter der Tätigkeit „netzwerken“ (Networking) versteht man den Aufbau und die Pflege eines Beziehungsgeflechts einer mehr oder weniger großen Gruppe von einander „verbundenen“ Personen, die sich gegenseitig kennen, sich informieren, und manchmal unabhängig von ihren Leistungen zum Beispiel in ihrer Karriere fördern oder andere Vorteile verschaffen.“

Vetternwirtschaft – wie oben angeführt – verstehe ich noch etwas anderes: Hier geht es darum einem INTERNEN Kreis von Menschen mehr oder weniger regulär Vorteile zu verschaffen – oftmals auch zum Nachteil  Anderer. Somit kann man das „Networking“ von heute mit dieser Art „sich gegenseitig  Geschäfte zuzuschustern“ nicht vergleichen …

Den Bereich der Computernetzwerke lasse ich hier einmal bewusst außen vor, denn in jeder größeren Firma gibt es auch „Netzwerke“ und Menschen, die eben diese pflegen; das sind aber meist Computerfachleute, „Netzwerker oder Netzwerkbetreuer“ – die spielen für unseren Bereich keine Rolle.

„Networking“ – insbesondere Network-Marketing – hat aber bei manchen Menschen (vor allen der falsch- oder halbinformierten) einen zweifelhaften Ruf, weil  es so dargestellt wird, dass man diese Verflechtungen aufbaut um daraus ausschließlich persönlichen Vorteil zu ziehen. Hier ergeben sich mindestens 2 Fragen:

  1. Stimmt das so?
  2. Wenn Ja – was wäre schlimm daran?

Generell kann man zur ersten Frage sagen, dass man JEDES System ausnutzen und pervertieren kann. Ist der Pfarrer deshalb Pfarrer, weil er anderen Menschen in theologischen Fragen, dem Sinn des Lebens etc. beitragen will – oder möchte er nur einen ruhigen Job? Vertritt der Rechtsanwalt den Fall, weil er für Gerechtigkeit sorgen will – oder möchte er ausschließlich sein Salär verdienen? Verschreibt der Arzt das Medikament, weil er davon überzeugt ist – oder bekommt er Provisionen vom Pharmahersteller? Das System des spirituellen Beistands, der rechtlichen Vertretung und in dem Fall des ärztlichen Beistandes ist sicher unendlich (und manchmal auch lebens-)wichtig.

Grundsätzlich aber davon auszugehen, dass das System ausgenutzt wird, sagt mehr über den aus, der es betrachtet als über den, der es betreibt! Selbstverständlich wird es Menschen geben, die es tun – aber das ist IMMER und ÜBERALL so, hat aber wie beschrieben viel eher mit dem zu tun, der das System betreibt als mit dem Konzept an sich. Wie beim Autofahren: nur weil ich ein Kfz habe und es „Raser“ gibt, sollte man nicht davon ausgehen, dass ich ein solcher „Raser“ bin.

„Networking“ gab es auch schon immer und wird es immer geben – mein Vater nannte es „Vitamin B“ oder manchmal sagte er auch „Beziehungen sind das halbe Leben“. Das stimmt, denn – wer wendet sich nicht an einen Freund, der einen Reifenhandel hat – wenn er nun neue Winterreifen kaufen möchte?! Mein Bruder ist (ein wirklich guter) Zahnarzt und allein durch die Erwähnung hier betreibe ich „Networking“.  Ich gehe sogar noch weiter: Würden wir nicht sogar von Freunden und Bekannten VERLANGEN, dass sie uns Tipps geben, wie wir an Waren oder gute Dienstleistungen kommen, die verhältnismäßig besser/preisgünstiger etc. sind?!

Stellen Sie sich vor, Ihre Freunde wissen, dass Sie ein neues Dach für ihr Haus brauchen, weil es viele Schäden aufweist und undicht ist. Jetzt wälzen Sie das Branchenbuch durch, forschen im Internet und vergeben den Auftrag. Als alles fertiggestellt ist reden Sie mit einem Freund, der darauf erwidert „Ich wusste, dass Du ein Dach brauchst und ein guter Bekannter hat auch eine Dachdeckerfirma die gut und allem Anschein nach viel günstiger ist als die, die Du beauftragt hast – aber ich wollte Dir den Tipp nicht geben, damit Du nicht denkst, das ich was davon habe…“ Was würden Sie erwidern?! Letztendlich geht es doch um den Vorteil, den SIE als Kunde, Konsument, Klient, Patient etc. haben – oder nicht?!

Empfehlen Sie den ADAC, weil Sie dadurch das neueste Kartenset gratis bekommen oder weil Sie von den Leistungen überzeugt sind, weil Sie selbst erst kürzlich liegengeblieben sind und man sie kostenfrei abgeschleppt hat? Empfehlen Sie den Strom von Greenpeace weil sie 25,- € bekommen oder weil Sie davon überzeugt sind, dass „grüner Strom“ wichtig ist? Die Liste ließe sich endlos fortsetzen …

Und damit ist auch schon die 2. Frage beantwortet, denn wenn Sie als Kunde einen Vorteil haben, dann ist es faktisch egal, aus welchem Grund der Empfehlungsgeber Ihnen den Tipp gegeben hat. SIE haben den Nutzen und nur jemand, er missgünstig ist, würde einem Anderen einen wie auch immer gearteten Vorteil durch diese erfolgreiche Vermittlung missgönnen.  Ich behaupte, dass viele der Clubs (seien es Golf-/ Countryclubs oder andere Vereine) zum Großteil nur deswegen bestehen, weil Menschen eben Beziehungen knüpfen wollen – weil Sie sich vernetzen möchten um einen irgendwie gearteten Vorteil zu haben (und wenn es nur Spaß ist).

Und es gibt noch ein Sprichwort: „Beziehungen schaden nur demjenigen, der keine hat“ – auch das ist richtig. Also geht es doch erst einmal darum, Beziehungen zu knüpfen. Was dann später aus den Beziehungen wird, ob sie weiter gepflegt werden, wozu sie genutzt werden (Spieleabende, gemeinsames Hobby, Ausflüge, Freundschaften, Interessensgemeinschaften, gemeinsame Geschäfte) – das alles wird sich ergeben. Es ist sogar ein Teil, der uns als Menschen erst ausmacht – in einer Gemeinschaft zu leben, sie zu pflegen und für sie zu sorgen. Ja, es macht uns erst zu sozialen Wesen …

Wird nicht in jeder Gemeinde jedes neue Mitglied erst einmal empfangen und der Pfarrer stellt es dann der Gemeinschaft vor, damit es Beziehungen knüpft?! … das ist Networking! Wird nicht der neue Spieler durch den Trainer vorgestellt damit er sich mit den anderen schneller und besser versteht?! … das ist Networking! Wenn Sie mitbekommen, dass jemand ein körperliches Leiden hat und sie einen guten Arzt kennen und ihn empfehlen – das ist Networking! Wenn Sie wissen, dass ein Bekannter noch Wünsche hat und sie ihm eine Möglichkeit geben, diese schneller und einfacher zu erreichen – das ist Networking!

Wir „networken“ sobald wir in Kontakt zu anderen Menschen sind! … und das ist gut so, denn wenn wir Menschen miteinander bekannt machen, sie mit Möglichkeiten, Produkten, Arbeitsweisen oder vielem anderen in Verbindung bringen – dann schaffen wir neue Synergien, vernetzen, dann networken wir.

Ob dann unser Netzwerk stabil ist, ob wir aufgefangen werden wenn es uns schlecht geht, ob man uns gerne weiterempfiehlt, ob wir auch an den Vorteilen Aller in diesem Netzwerk interessiert sind – das zeigt das Maß unseres sozialen Verständnisses, unsere sozialen Fähigkeiten und unser soziales Engagement. Auch hier wieder die Erklärung von wikipedia, was denn nun „sozial“ bedeutet:  In der Umgangssprache bedeutet „sozial“ den Bezug einer Person auf eine oder mehrere andere Personen; dies beinhaltet die Fähigkeit (zumeist) einer Person, sich für andere zu interessieren, sich einfühlen zu können, das Wohl Anderer im Auge zu behalten (Altruismus) oder fürsorglich auch an die Allgemeinheit zu denken. Aber es bedeutet auch, anderen zu helfen und nicht nur an sich selbst zu denken.

Ein guter Networker ist also vor allem sozial. Und mal ehrlich: Ich finde es ein erhebendes Gefühl anderen Menschen dazu zu verhelfen mehr zu verdienen, Karriere zu machen, sich weiter zu entwicklen und bisher nicht für Möglich gehaltenes nun zu realisieren, sich und ihren Liebsten etwas Gutes zu gönnen, abgesichert zu sein … das ist meiner Meinung nach höchst sozial und genau das braucht es in dieser Welt, wenn ich mir diese zum Teil gierigen Gruppierungen – wie z.B. Provisionen der Bänker, leere Versprechungen der Politik, Worthülsen der Werbeindustrie, Vorgehensweise der Pharmaindustrie etc. – anschaue!

Aus diesem Grunde – wie der Titel einer meiner Audio CD´s – Let´s work Network!

Ihr/ Euer

Dirk (Jakob)

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