Über das Gleichgewicht

Mit diesem Thema beschäftige ich mich schon sehr lange – und anfänglich habe ich es auch nicht wirklich verstanden. Das Wort an sich zeigt aber schon worum es geht: die „gleiche Gewichtung“ der unterschiedlichen Pole!

Wir könnten hier das Thema aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln betrachten, denn es ist ein universelles Prinzip: egal ob wir das physikalische Gleichgewicht (ein thermodynamisches System, das sich nicht verändert), das chemische Gleichgewicht (eine Reaktion, die in beide Richtungen laufen kann und in beiden gleich schnell abläuft), das ökologische Gleichgewicht (der stationäre Zustand eines Ökosystems), das wirtschaftliche Gleichgewicht im Markt (in den Wirtschaftswissenschaften ein Gleichgewicht aus Angebot und Nachfrage), das politische Gleichgewicht (ein ausbalanciertes Machtverhältnis, das Stabilität bringt) oder die Ausgeglichenheit (in der Psychologie einen stabilen psychischen Zustand) ist (und hier ließe sich noch viel mehr anführen) – GLEICHGEWICHT scheint eine wichtige Rolle zu spielen.

Um sich hier nicht in theoretischem Geschwafel zu ergehen, spielt es für unser Leben eine gewichtige Rolle. Anziehung – Abstoßung; Geben – Nehmen; Arbeit – Ertrag; Einsatz – Auskommen; Aktivität – Passivität; Männlich – Weiblich; Einnehmen – Ausgeben … die Liste ließe sich unendlich fortführen.

Und so spielt es auch für unseren Erfolg eine wesentliche Rolle – gerade wenn wir mit anderen Menschen zusammen arbeiten! Oft erlebe ich oftmals keine Ausgeglichenheit im Teamwork – insbesondere im Network. Wenn z.B. der Sponsor den Fehler macht ZU VIEL zu geben/ tun, dann – und darüber muss man sich klar sein – stoppt er die Aktivität des Gegenübers. WARUM das so ist, ist erst einmal gleichgültig. Es kann sein, dass man den Erfolg für den neuen Partner mehr will als er selbst; es kann sein, dass Sie aus „gutem Willen“ mehr geben; es kann sein, dass der andere einfach zu faul ist, es kann sein, dass der Gegenüber einfach viel verlangt (teilweise sogar unverschämt ist) und es nicht anderes kennt …. es kann Vieles sein.

Lassen Sie uns hier ein Beispiel nehmen: Die Wegstrecke ist 100 % um gemeinsam erfolgreich zu sein! Gehen Sie nun 60 % – so bleiben noch 40 % für den Anderen. Irgendwann merken/ fühlen/ sehen Sie dann, dass „etwas nicht stimmt“. Nun gehen Sie auf Ihre 50 % zurück – der Andere bleibt aber bei seinen 40 % – und somit wird das gemeinsame Ziel nicht erreicht! Im Gegenteil: Der Andere denkt „Ich muss ja jetzt mehr tun…“ und Sie fühlen sich unverstanden.

Wie das in der Praxis aussieht? Kennen Sie die Leute, die sie ständig anrufen, aber wenn es z.B. einen Infotag oder Treffen gibt, sie dann irgendwelche Gründe haben nicht zu kommen? Was sie dann aber tun, ist, dass sie Sie im Nachgang anrufen und fragen, was los war. Da ist dann ein Ungleichgewicht zwischen Geben und Nehmen! Manchmal ist es gar nicht böse gemeint – die Menschen wissen nur nicht, dass sie sich mehr „bewegen“ sollten!

Ein anderes Beispiel: „Ich brauche mehr Info´s, mehr Material“ – auch wenn schon einiges an Unterlagen oder Medien da ist! Wann ist genug wirklich genug? Da werden Exeltabellen mit Inhaltsstoffen erstellt, neue Flyer entworfen, an Websites kritisiert – nur um nicht in Aktion zu gehen, nicht aktiv zu werden! Und ist Ihnen aufgefallen, dass – wenn nun das entsprechende Material zur Verfügung gestellt wurde – der- oder diejenigen wieder Neues finden, was fehlt?!

Die Frage ist auch hier: Denke ich in Lösungen oder richte ich meine Aufmerksamkeit auf das, was fehlt?! NIPSILD eben – auch da ist kein Gleichgewicht, denn es können immer und überall Forderungen gestellt werden, was besser laufen kann! Dafür muss ich aber das, was da ist, zu 100 % nutzen … . Oder glauben Sie z.B., dasss Sebastian Vettel sagt „Die Strecke ist aber schlecht geteert, da kann ich nicht fahren?!“ – oder wird er DAS BESTE AUS DEM MACHEN, WAS DA IST?!

Gleichgewicht heißt aber auch abschalten zu können, den „lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen“, sich an- und entspannen. Total im Fokus zu sein, sich vollauf eingeben – und dann wieder willenlos zu sein, geschehen zu lassen. Heißt, sich über einen Zeitraum voll und ganz seiner Karriere zu widmen um dann Freizeit zu haben …

Gleichgewicht ist nicht zu verwechseln mit Gleichgültigkeit! Auch das ist etwas, was viele Menschen verwechseln. Gleichgültigkeit bedeutet nicht, dass einem etwas egal ist, nein es heißt, dass Dinge, Menschen, Situationen „die gleiche Gültigkeit haben“. Das kann auf den unterschiedlichsten Ebenen der Fall sein …

So machen auch viele den Fehler in „entweder – oder“ zu denken. Gleichgewicht bedeutet nicht „entweder Familie – oder Karriere“, sondern im Augenblick zu leben und das zu tun, was gerade anliegt; um dann etwas Gegenteiliges tun zu können. Wenn man arbeitet sollte man arbeiten und nicht an die Familie denken – und wenn man bei seiner Familie ist, dann sollte man dort seine Aufmerksamkeit haben! Selbstverständlich braucht es dazu Planung. Und auch da ist es wichtig Abläufe zu planen, zu strukturieren, bis ins Detail zu denken – um in anderen Situationen sich intuitiv auf seine Eingaben zu verlassen und im Augenblick zu leben.

Gleichgewicht bedeutet auch nicht „Herz oder Verstand“, sondern BEIDES! Wie oft erlebe ich massive Einschränkungen, weil man sich selbst als „rational“ oder „emotional“ bezeichnet, von sich selbst sagt, man sei „kopfgesteuert“ oder man eben „auf seinen Bauch hört“. BEIDES ist von Wichtigkeit und in unserer Entwicklung ALLES zu erforschen, zu erleben um es im entscheidenden Augenblick anzuwenden, macht uns zu Meistern des Schicksals.

Ich habe mich lange Jahre mit den unterschiedlichen Religionen beschäftigt und hinter den unterschiedlichsten Konzepten im Grunde das Gleiche gefunden: Liebe, Toleranz, Vertrauen und Vieles mehr. Was mich aber im Sufismus besonders angesprochen hat, war, wie sich dort „Meister“ ausgesucht und auch „zugeteilt“ werden. So finde ich den Buddhismus  SEHR ansprechend, habe mir aber immer gedacht, dass doch den Menschentypen, die generell eher dieses ruhige Naturell haben, sich eher introvertiert verhalten, denen es von Natur aus leichter fällt „den Kopf auszuschalten“ viel leichter fällt das Ziel der vertieften Meditation zu erreichen, als aktive, unternehmungslustige und forsche Menschen.

In der Tradition des Sufismus sucht sich dann ein „aktiver Typ“ den Lehrer, der im zeigt die andere, passive Seite zu erleben und sich dort auch zu Hause zu fühlen, während der „passive Typ“ eher einen Lehrer bekommt, der ihm zeigt in der Welt aktiv zu sein, zuzugreifen, bewusst in Handlung zu gehen. Ausgleich eben – Gleichgewicht!

Und daher auch der Tanz der Derwisch, der sich minutenlang mit hoher Geschwindigkeit um die eigene Achse dreht um „in seiner Mitte zu bleiben“, im Gleichgewicht zu sein und Ruhe im Inneren mit dem Drehen im Außen zu verbinden.

Es ist einer der größten Herausforderungen die wir Menschen haben und das Leben zeigt uns durch Krankheiten auch Pause zu machen; durch „leere Kassen“ aktiv zu werden und umzudenken, nicht am Alten kleben zu bleiben.

Selbstverständlich liegt es dem aktiven Typen eher aktiv zu sein, dem verkopften eher zu analysieren, dem „Bauchmensch“ zu erfühlen – aber wir reden hier ja auch nicht darüber was das Einfachste ist, sondern was Gleichgewicht bedeutet!

Je weniger wir ausgeglichen sind, desto mehr sind wir im „Ungleichgewicht“ – und das macht sich psychisch, physisch und gedanklich bemerkbar. Lasst uns also eine der größten Herausforderungen angehen, denn wenn wir es nicht freiwillig machen, werden wir dazu aufgefordert!

Dazu wünsche ich viel Glück!

Ihr/ Euer

Dirk (Jakob)

2 Kommentare zu „Über das Gleichgewicht

  1. Lieber Dirk, vielen Dank für die wertvollen Gedanken, die Du in diesem wunderbaren Artikel niedergeschrieben hast!

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