Kontrolle ./. Vertrauen ?!

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Mögen Sie es kontrolliert zu werden? Sicher nicht! Mögen es die meisten Menschen, wenn sie andere kontrollieren, abfragen oder „den Meister spielen“ müssen – sicher auch nicht. Aber Kontrolle ist wichtig – Kontrolle ist sogar für den Lebens-, Berufs- und Sporterfolg unabdingbare Voraussetzung!

Als ich gestern einen Artikel schrieb, suchte ich nach einem Antonym (in der Sprachwissenschaft Wörter mit gegensätzlicher Bedeutung) für das Wort „Kontrolle“ und fand als einzigen Vorschlag das Wort „Fahrlässigkeit“. Da hatte ich einen echten Gedankenblitz der sagte „So hätte ich es wahrscheinlich nicht genannt….“ Mir wären als erstes „Freiheit“, „Grenzenlosigkeit“ oder so Worte wie „Vertrauen“ und „Selbstbestimmung“ in den Sinn gekommen – aber doch nicht „Fahrlässigkeit“ … . Bei näherer Betrachtung stimmt es aber, denn ich kann frei und grenzenlos sein, vertrauen haben und genießen, WÄHREND ich kontrolliert werde und/ oder selbst kontrolliere!

Viele Menschen – und das habe ich in den Post´s der verschiedenen Leute gelesen – interpretieren aber Kontrolle und bringen es gleich mit zum Großteil negativen Verhaltensmustern in Verbindung. Da wird von Druck, erhobenem Zeigefinder oder auch dem Mangel an Vertrauen geschrieben wenn man kontrolliert. Das stimmt aber nicht, denn WIE ich kontrolliere und mit welcher Einstellung ich das tue, ist eine ganz andere Frage. Kontrolliere ich um zu befähigen oder um Macht auszuüben oder um zu unterstützen etc.?

Ich selbst vermeide auch oft das Wort Kontrolle und Worte wie „unterstützen“, „helfen“ oder „beitragen“ gefallen mir wesentlich besser – aber darum geht es hier nicht! Man kann Menschen unterstützen/ helfen/ beitragen indem man sie kontrolliert. Unterstützung ohne Kontrolle ist auch möglich … mir geht es aber innerhalb dieses Gedankengangs und des Blogs um eben genau diesen Aspekt des kontrollierens, des „auf die Finger schauens“ mit anschließender Korrektur.

Schauen wir uns doch einmal an, wenn jemand eine Sportart ausüben und darin wirklich gut sein möchte. Er erlernt die Technik (ob Tennis, Golf, Volley- oder Fußball … egal was) übt sie und wird in der Wiederholung des „Aktes“ immer sicherer. Später ist fast alles ein Automatismus, man braucht nicht mehr darüber bewusst nachzudenken und reagiert nur noch. Je mehr man übt und wiederholt, desto (selbst-)sicherer wird man. Was passiert aber, wenn der Schüler nicht kontrolliert wird und sich Fehler einschleichen? Ist es nicht von jedem Lehrer fahrlässig nicht schon anfänglich genau zu schauen wo Grundlegendes falsch gemacht wird? Und ist es nicht auch so, dass auch die besten Sportler der Welt Coaches haben, die sie kontrollieren um zu schauen was verbessert werden kann? Fehler schleichen sich auf bei Profis jedweder Disziplien (ob Sport oder Beruf) ein – das ist menschlich. Sie dann aber nicht auszumerzen – das ist dumm …

Wie sieht es mir der Erziehung von Kleinkindern aus? Ich weiß, dass viele das Konzept haben lieber miteinander zu reden als zu kontrollieren und verwechseln auch hier die Attribute, schließen aus, dass man diejenigen, die man kontrolliert, nicht gleichzeitig vertrauen kann … . Wäre es nicht fahrlässig ein 2- jähriges Kind mit Sandalen in den Schnee laufen zu lassen oder einfach in den Straßenverkehr zu entlassen, bevor man Ihnen nicht gezeigt und sie kontrolliert hat „Erst links schauen, dann rechts.“ Wie viele Kinder würden überhaupt noch leben, wenn man gewisse Fakten nicht überprüft hätte?! Selbstverständlich ist es so, dass die Kids und Jugendlichen dann später immer mehr Selbstkontrolle ausüben sollten, denn je größer die ist, desto größer wird auch die Selbstbestimmtheit.

Egal welchen Lebensbereich ich als Beispiel nehme – das Prinzip bleibt das gleiche! Ob beim lernen eines Musikinstruments, einer beruflichen Lehre oder im Straßenverkehr …

Uns schwebt wahrscheinlich das Sprichwort „Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser“ im Kopf herum, sodass wir glauben „entweder – oder“. Aber das stimmt nicht! Genau wie viele Gläubige immer noch annehmen, dass „eher ein Kamel durch ein Nadelöhr geht als ein Kaufmann in den Himmel kommt“ und auch das nur ein Beispiel dafür ist (denn wie wir heute immer noch Verkehrsknotenpunkte als „Nadelöhr“ bezeichnen wurde genau das auch bei den Toren altertümlicher Städte gleichgenannt, denn viele Händler mit ihren Kamelen wollten in die Stadt auf den Markt und es gab teilweise tagelange Wartezeiten) wie Dinge mißverstanden werden können, denn „die Reichen sind des Teufels“ und „mit den Armen ist Gott“. Auch da ist es so, dass uns Wiederholungen irgendwann glauben lassen, das es sich um Wahrheiten handelt.

Unser 18- jähriger Sohn macht in diesem Jahr sein Abitur und wird von einer Person unterstützt, die selbst studiert hat. Er meinte letztens ganz nebenbei: „Die Lehrer, die mit den Schülern einfach nur reden wollen und sich wünschen als Freund und gleichberechtigter Gesprächspartner akzeptiert zu werden, haben ihren Beruf missverstanden – das kann eine Gefahr der „modernen Pädagogik“ sein.  Den Schülern muss das zu lernende gut erklärt werden und dann müssen sie üben, üben und nochmals üben. Dabei sollten sie kontrolliert werden ob alles richtig ist und dann läuft es…! Diese Kontrolle sollte dann aber immer im positiven Kontext geschehen“ Genau das ist es! Im übrigen hat er es mehrfach geschafft Abiturschüler, die vorher bei 2 oder 3 Punkten in Mathe standen auf 10 oder mehr Punkte zu bringen …

Also scheint es den meisten Menschen zu widerstreben kontrolliert zu werden – und eben andere zu kontrollieren. Aber gerade im Network ist das von ENTSCHEIDENER Bedeutung. Machen Sie nicht den Fehler Ihre neue Downline nicht zu kontrollieren, nicht zu sehen wie sie vorgeht, wie sie mit anderen Menschen spricht um Geschäft und Produkte zu erklären … . DANN WIRD SIE WAHRSCHEINLICH SCHEITERN! Dieses Scheitern ist dann aber in der Konsequenz nicht ihm oder ihr zuzuschreiben, sondern dem Sponsor!

Auch der Friseurlehrling wird nicht nur gesagt bekommen „Schau mal in dem Lehrbuch wie es geht – und in der Berufsschule bist Du ja auch (wobei die meisten Networkfirmen gar keine „Berufsschule“ haben) deswegen muss es ja klappen… ich vertraue Dir.“ sondern erst wird an einem „Probekopf“ geschnitten, der Lehrling schaut zu, übt, der Meister steht daneben, berichtigt und erst zu einem viel späteren Zeitpunkt darf der Lehrling selbständig schneiden OHNE ihn zu kontrollieren. Oder würden Sie von jemanden gerne die Haare geschntten bekommen, der „das Vertrauen des Meisters hat“ aber vorher nicht geübt hat und WEISS was er wie zu machen hat?!

Wenn wir also nicht genau so mit neuen Partnern in unserem Network umgehen, wie der Friseurmeister mit seinen Lehrling, sind wir fahrlässig. Vertrauen in dem Fall ist nur eine faule Ausrede, sich nicht um seinen Job zu kümmern, den Personen, die sich uns anvertrauen, Hilfestellung zu geben, WEIL WIR SELBST ZU BEQUEM SIND und unsere Komfortzone nicht verlassen wollen.

Was ich gelernt habe sind grundlegende Dinge, die sich nicht verändern – auch wenn es noch so viel Internet gibt, noch so viel Lektüre gibt: Vormachen – Mitmachen –Nachmachen! Eben verkürzt das, was jeder „Meister“ mit seinem „Lehrling“ machen sollte. Ein Problem gibt es nur: Wenn der Meister selbst von einem Unwissenden eingearbeitet wurde. Dann dupliziert sich das Falsche und der Frust für alle ist vorprogrammiert. Gerade das habe ich schon oft erlebt …

Auch Motivation ist kein Ersatz, sondern ein Verstärker für den Erfolg in der Branche!

Fangen wir also an, den Menschen so zu behandeln, wie er es verdient: mit Respekt und Achtung. Verpflichtet er sich selbst erfolgreich zu werden, verpflichten wir uns ihm die Dinge in die Hand zu geben, die es ihm erst ermöglichen, diesen Erfolg dauerhaft zu haben. Dann gewinnen wir echte Freunde, die Branche wird einen immer besseren Ruf bekommen, das Geschäft ist stabil und lohnenswert duplizierbar – und dann können wir selber wachsen. Aber das Thema „Kontrolle“ wird uns immer begleiten, denn genau so, wie man es mit Anfängern macht, sollte es auch mit (angehenden) Führungskräften machen. Denn woher sollen sie wissen, wie sie die neuen Aufgaben, die sie zu erledigen haben, erfolgreich und richtig machen, wenn man sie nicht anleitet und kontrolliert?! Der „Quasi-Zusammenbruch“ einiger auch großer Strukturen/ Unternehmen in der Branche zeigt, dass da „etwas dran ist“ – auch wenn es Wenige hören wollen.

In diesem Sinne wünsche ich allen viel Erfolg bei der verantwortungsvollen Aufgabe als Sponsor/ „Meister“ und Upline!

Ihr / Euer

Dirk (Jakob)

Was soll ich bloss tun – er läuft in sein Unglück?!

Kennen Sie das auch? Sie arbeiten mit Menschen oder haben Bekannte in Ihrem Freundeskreis und sie sehen immer und immer wieder wie die Person scheinbar gewollt und bewusst vor die Wand läuft, sich immer wieder selbst schadet. Sie fühlen mit und können einfach nicht verstehen, warum er/ sie wie in einem Hamsterrad scheinbar nicht sehen WILL.

Bei Kindern sind wir es gewöhnt und das Sprichwort, dass man wohl selbst erst auf die heiße Platte fassen muss um zu erkennen, dass sie wirklich heiß ist, sagt ja schon vieles. Aber wie ist es mit den Menschen, die SAGEN, dass sie es „nicht mehr wollen“ oder einen Weg  „aus dem Schlamassel raus“ suchen, sie aber mit großer Trefferquote immer wieder den Weg ins „Verderben“ finden. Ich gebe zu, dass war einer meiner größten Lernprozesse, denn gerade wenn es Freunde und Bekannte waren, denen es wirklich nicht gut ging, wollte ich unbedingt „helfen“.

So gibt es unendlich viele Menschen, die sagen, dass sie etwas anders wollen, aber gleich – nachdem man Ihnen gesagt und gezeigt hat wie sie es ändern können – eine Ausrede parat haben: „Das kann ich nicht.“ oder „Da bin ich kein Typ zu“ sind ebenso Varianten wie „Das geht nicht, weil…“. Können Sie es auch nicht verstehen, wie er sich selbst immer wieder – quasi wie ein Mantra – einredet und vorbetet, warum er gerade in der Situation ist, aus der er sich angeblich schnellst möglich befreien will und gleichzeitig wieder neue Bande der Anhaftung schmiedet?

Da hilft kein „auf die Schultern klopfen“, kein „Du schaffst das schon…“, kein „Ich sehe, dass Du könntest, wenn Du endlich machen würdest…“ – wie ein Echo kommt dann gleich wieder „Ich würde ja so gerne, aber…“ . Wenn ich eines im Umgang mit Menschen gelernt habe, dann, dass man  Menschen nicht beitragen kann, die in ihrer Situation stecken wollen – ob bewusst oder unbewusst. Wir können sogar die Aufgabe für sie erledigen um zu zeigen DASS es geht – sie werden es leugnen.

Warum das so ist, steht auf einem ganz anderen Blatt geschrieben und ich persönlich habe mir abgewöhnt immer wissen zu wollen, WARUM es denn nun so ist. Scheinbar bin ich dann eher an einer Lösung für die Person interessiert als sie selbst! Und was dann kommt, ist nicht nur ein Bumerang, sondern geht oftmals mit Schimpftriaden einher „Wie konntest Du nur!“ oder „Du musst auch immer Recht behalten…“.

Aber werfen wir mal einige Blicke auf das Warum:

Viele haben sich unbewusst selbst schuldig gesprochen … . Sie haben entweder etwas getan das sie selbst für negativ, verwerflich oder verabscheuungswürdig, unmoralisch oder zutiefst egoistisch verurteilen und kommen zu dem Schluss „Das geschieht mir ganz recht…“ bzw. „das ist die Strafe für…“. Was mir in den vielen Seminaren aufgefallen ist, als wir diese Themen bearbeitet haben, war,  dass es andere Menschen komplett anders sehen. Die absolute größte Anzahl der Menschen sind scheinbar so in einer Welt von Selbsturteilen gefangen, dass sie zwar oberbewusst sagen „Ich will viel erreichen…“ aber innere Boykottprogramme dies verhindern. Und letztendlich wirken diese sich selbst eingeredeten, negativen Programmierungen und Paradigmen wesentlich stärker als lauthals formulierte Erfolgsparolen.

Ein anderer Grund sind Konventionen und althergebrachte Parolen wie „Ohne Fleiß kein Preis“ oder  „Ohne Kampf kein Gewinn“. Selbstverständlich muss man Energie einsetzen um große Ziele zu erreichen. Aber: Wann ist genug genug? Wann war man genug fleißig und kann die Ernte einstreichen? Wann entschließt man sich nicht mehr zu kämpfen um auch anders zu gewinnen? Was muss passieren, um diese Glaubensmuster zu ändern?! Und was mir auch klar geworden ist, ist, dass man erst an der Grenze seiner Beschränkungen eben diese erkennen und verändern kann. Dafür braucht man aber fast immer einen Coach, einen Mentor, dem man vertraut, der einen begleitet und weiß, was „hinter dem Horizont“ passiert. Wir verhalten uns meist wie Kinder, die im dunklen Wald spazieren gehen sollen und sich selbst Mut zusprechen indem sie anfangen zu pfeifen –  oder wie die sprichwörtliche Kuh auf dem Eis.

In diese Richtung gehen sicher auch die ganzen Attribute, die man uns eingeredet hat. „Dazu  bist Du zu wenig sportlich…“, „Dafür muss man (was anderes) studiert haben…“, „Um das ganze Geld zu verdienen, muss man andere Startvoraussetzungen haben…“, Dafür bist Du zu schüchtern …“ – und irgendwann glauben wir es selbst. In der Psychologie gibt es Untersuchungen, die besagen, dass – wenn ein Mensch 7 Mal das gleiche hört und sich nicht vom Gegenteil überzeugt – er es als wahr annimmt um es dann später für sich als gegeben hinzunehmen. Also fragen Sie sich, was Ihre Eltern Ihnen alles eingeredet haben, wie viele Leute meinten, dass Sie nicht singen könnten (und die meisten werden es glauben…) und und und … .

Es muss etwas passieren, damit Menschen eben über diese Glaubenssätze stolpern, sie ihnen bewusst werden und sie  ändern wollen. Die Energie, die gebraucht wird um sie zu verändern muss größer sein als die Anhaftung am Alten. In der Praxis bedeutet das, dass meist der Schmerz größer sein muss, als das Maß der eigenen Leidensfähigkeit.  Aber auch da gehen viele Menschen oft den Weg die eigene Leidensfähigkeit zu erhöhen, statt den eigenen Veränderungsprozess einzuleiten.

Verrückt – aber wahr!

Ein Teil meiner Ausbildung ging in Richtung „provokanter Therapie“ von Frank Farrelly. Um eine lange Geschichte kurz zu machen, kann man mehrere Statements dazu machen, ohne hier den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben: 1. Man muss die Menschen da abholen wo sie stehen. 2. Die humorvolle Spiegelung und Übertreibung des Verhaltens unseres Gegenübers kann „Wunder wirken“. 3. Für Außenstehende wirkt diese Arbeit oft „schockierend/befremdlich“ (aber oftmals ist eben der Schock wichtig, um in die Gegenwart zu kommen).

Was also habe ich getan? Mit Menschen die Arbeit hatten und sich dauernd beschwerten in welch schlechter Lage sie doch sind bin ich in eine Unfallklinik gegangen; mit Arbeitslosen, die meinten, dass es nicht schlimmer kommen kann habe ich das Obdachlosenasyle besucht; einem Freund von mir habe ich geraten mit seiner 17- jährigen Tochter, die „einfach keine Lust mehr hatte in die Schule zu gehen weil alles nervt“ und kurz vor dem Abitur stand, aufs Arbeitsamt zu gehen, damit sie sich dort anschaut, was nach der Schule auf sie zukommt; ….

BITTESEHR: Das kann nur in ausgewählten Fällen angewandt und in keinem Fall verallgemeinert werden! Das ist sehr wichtig zu erkennen, denn – falsch angewandt – kann der „Schuss nach hinten losgehen“.

Was ich damit aber meine, ist, dass WIR ES UNS NICHT AUSSUCHEN können, was der andere „braucht“, um sich zu entwickeln. Ich möchte hier nochmals betonen, dass es nichts mit „gutem Willen“ oder „schlechter Führung“ zu tun hat: Wenn sich jemand dazu innerlich verpflichtet hat sich nicht zu verändern (und somit zu leiden) können Sie wirklich gar nichts machen! Der Impuls muss vom Gegenüber kommen!

Zu lernen diese Impulse zu setzen – das ist sicher eine Aufgabe, die gute Führungskräfte beherrschen sollten. Sie spielen die Klaviatur der Möglichkeiten, statt nur auf der Taste der Motivation zu hämmern; obwohl – es gibt da noch andere „1 oder 2 Tasten- Klavierspieler“, die immer wieder mit den gleichen Sprüchen kommen. 🙂

Was man selbst daran lernen kann? Los zu lassen (also dem anderen sein Los zu lassen), entspannen, atmen und sich wundern, was Menschen alles tun, um für sich selbst Recht zu behalten.

Na dann Prost Mahlzeit ..

Ihr/ Euer

Dirk (Jakob)

Hilfe erbeten …

Wahrscheinlich kennen viele diese Geschichte:

Da kommt ein armer Bettler aus dem Wald, unterernährt, kein Geld, zerrissene Kleider und hat schon lange nichts mehr gegessen. Er sieht an einem Fluss einen Mönch angeln, geht auf ihn zu und fragt: „Lieber Mönch, bitte gebe mir einen von Deinen vielen Fischen die Du in Deinem Käscher hast – Du brauchst sie sicher nicht alle und ich habe seit Tagen nichts mehr gegessen und verhungere fast.“ Der Mönch schaut ihn liebevoll an und sagt: „Nein, dass möchte ich nicht tun.“ Der Bettler ist völlig verwirrt, irritiert und sagt „Warum bist Du so herzlos?“ Daraufhin antwortet der Mönch „Mein Freund, wenn ich Dir einen Fisch gebe, bist du Morgen wieder hungrig und Dir ist nicht geholfen. Lass mich Dir wirklich helfen und Dir zeigen wie man angelt, dann hast Du immer etwas zu essen!“

Eine auf den ersten Blick herzlose Tat eines gottesfürchtigen Mannes stellt sich also als etwas wahrhaft Großes dar – erlebte, unterstützende SELBSTHILFE.

Dauerhafte Almosen helfen in vielen Fällen nicht – im Gegenteil, sie behindern das eigene Wachstum! Menschen immer wieder nur Almosen gegeben, bestätigt ihre scheinbare Hilflosigkeit.

Was daraus wird, kann man gut in armen Ländern erkennen, in denen Menschen schon seit Jahrzehnten mit „Hilfen“ abgespeist werden, in denen ihnen jegliche Eigenmotivation fehlt ihr Leben selbst „in den Griff zu bekommen.“ Das ist die wirkliche Armut! Glauben, sich nicht wirklich selbst helfen zu können… Selbstverständlich gibt es auch Situationen, in denen sofortige Hilfe eine echte Unterstützung ist – darüber reden wir hier nicht. Ich spreche hier über Menschen, die dauerhaft Hilfe oder Unterstützung anfordern.

Hier zeigen sich mehrere Aspekte: Zum Einen gibt es Menschen (und ich gebe zu, dass ich immer mal wieder auch zu dieser Spezies gehöre) die – wenn man ihnen tief in die Augen schaut und um Hilfe bittet – kaum „Nein“ sagen können. Zum Anderen haben viele Menschen gelernt, wie sie „schauen müssen um ein Ja zu bekommen.“ Treffen die 2 aufeinander ist scheibar alles gut – aber eben nur scheinbar.

Mir ist es häufig passiert, dass dann folgendes passiert: Man selbst gibt etwas, aber statt Dankbarkeit zu erfahren, wird es entweder als selbstverständlich hergenommen (das ist seltener) oder nach einiger Zeit wendet sich sogar derjenige, dem man gegeben hat – scheinbar völlig unvernünftig –, gegen den Geber (das passiert öfter). Energetisch kann man das auch gut erklären: Es besteht ein Ungleichgewicht! Eine gute Lösung ist es, klare Vereinbarungen zu treffen „Danke, dass Du mir geholfen hast. Ich werde es Dir ab dem … in Raten von … zurückgeben.“ – wenn es denn ein geliehener Geldbetrag ist. Bei einem Geschenk ist das sicher anders …

Spricht dann der Geber den Nehmer  (der i.d.R. über weniger Selbstbewusstsein verfügt, da dies aufgrund der Situation oftmals „begünstigt“ wird) an, kommen oftmals „Ausreden“, die – selbstverständlich vom Nehmenden glaubhaft und mit aller Imbrunst vorgetragen werden – wiederum die Eigenverantwortlichkeit schmälert. Richtig schwierig wird es, wenn derjenige, der „in der Schuld steht“ diese eigene Hilflosigkeit als Begründung der nicht eingehaltenen Vereinbarungen macht und auf Verständnis pocht!

Fragt dann der „Hilfebedürftige“ nach noch mehr Hilfe/ Unterstützung, die ihm unter Umständen sogar von der gleichen Person  gegeben wird, gibt es ein kurzes (oftmals intensives) Dankeschön – aber der Graben wird tiefer (wenn eben nicht entsprechende Vereinbarungen getroffen werden). Vorher war man „der Gute und Nette“ – das kann sich auf einmal schnell ändern! Kann der Nehmende die Vereinbarung nicht einhalten und hat nicht den Mut mit dem Gebenden zu sprechen, werden dann oft Begründungen gesucht, die der Nehmende später sogar selbst glaubt. „Ich kann ja nicht weil …“ oder „Der hat es auch nicht nötig…“ (s.o.).

Lehnt der Gebende dann weitere Hilfen ab oder versucht mit der Nehmenden ein „offenes Wort“ zu reden, reagieren viele mit Unverstänis und Beschuldigung. „Du verstehst mich nicht“, „Du kannst Dir nicht vorstellen wie es mit geht“ oder „Warum wendest Du Dich gegen mich?“. Um bei unserem Beispiel zu bleiben: Er gibt mir keine Fische mehr, der Hartherzige … und mein Gegenüber versteht einfach nicht, dass ich nicht angeln lernen KANN!

Es kommt aber noch eine andere Komponente dazu: Manche Gebende fühlen sich besonders gut, wenn sie geben können. Je nach Bewusstsein des Gebenden kann es sein, dass er sich in einer „Gönnerrolle“ sieht und unterbewusst seine Einstellung zu dem Nehmenden ändert. „Bei dem habe ich etwas gut…“ oder auch „Was bin ich für ein großzügiger Mensch…“. Ja, manchmal ist es sogar so, dass der Gebende deshalb gibt, weil er eben dieses Gefühl haben möchte und es gar nicht so sehr um den „Bittsteller“ geht … .

Oftmals ist es also eine echte Hilfe NICHT zu helfen bzw. Geld zu geben. Bequem ist es nicht – aber hilfreicher, fördernder und unterstützender. JA, es fällt mir persönlich oftmals schwer, aber es geht hier nicht um mich und mein Wohl, sondern um das meines Gegenübers! JA, es ist leichter einen Fisch zu verschenken als den Menschen mit der Frage zu konfrontieren „Willst Du angeln lernen?“, denn es kommt – wie oben beschrieben – dann manchmal zu diesen verärgerten, teils sogar bösen, Reaktionen.

Es gibt aber noch einen Aspekt: Ich bin der tiefen Überzeugung, dass alles im Leben einen Sinn hat, auch wenn man es z.T. in der Situation nicht versteht (und auch das passiert mir häufiger). Menschen halten oft an „Dingen“ oder Verhaltensweisen, Einstellungen so sehr fest, dass es leichter ist zu leiden, als sich zu ändern/ zu wachsen! Selbstverständlich möchte die Person an dem Ort wohnen bleiben und die Wohnung halten, selbstverständlich will sie keine Verluste machen, selbstverständlich … . Aber: Hand auf´s Herz – WISSEN wir wirklich was gut ist? Kann es nicht sein, dass es besser wäre den Ballast abzuwerfen und wieder frei zu sein, statt sich mit „Eigentum“ zu geißeln?! Ist es nicht die Gier die sagt „Ich muss das halten?“ die Sorge die sagt „Du musst um den Job kämpfen, koste es was es wolle“ die Angst ein schlechter Vater zu sein, der sagt „Du musst Dein Kind unterstützen, auch wenn es Geld kostet, dass ich eigentlich nicht habe?“ Kann es nicht sein, dass uns das Leben den starken Hinweis gibt, dass wir doch das Haus verkaufen sollten, um wieder freier atmen zu können, flexibler zu sein, mehr Lebensqualität zu genießen, mehr Energie für wichtigere Sachen zu haben …?! … oder das wir unser Kind seinen Weg allein gehen lassen sollten, dass es lernen sollte, eigenverantwortlich zu handeln?!

Gibt das Leben uns nicht Hinweise, dass wir uns ändern müssen um zu wachsen?! Denn Wachstum ist eines unserer (oftmals unterbewussten) stärksten Bedürfnisse!

Menschen im Network kennen das: Da wird eine wirkliche Alternative angeboten aber – statt das sich der Gegenüber bedankt – wird beschuldigt. EINFACHER ist es nachzugeben – BESSER ist es ehrlich zu bleiben. Auch wir brauchen dann nicht zu beschuldigen und erwidern „Du bist ignorant“ – wir können akzeptieren und dann entsprechend handeln. Und das ist das Wichtigste: entsprechend handeln, NICHT geben, mit offenem Herzen bei der Person bleiben, die Verzweifelung erkennen, ja sogar die Beschwerden und verzweifelten Bemühungen hören, warum unser Gegenüber aus eigener Sicht heraus nicht kann… . Aber im übertragenen Sinne sage ich dann oft: „Ich sehe, dass Du im Schlamassel sitzt und gerne reiche ich Dir meine Hand – aber bitte verlange nicht von mir, mit in den Sumpf zu springen.“

Erst letztens hatte ich ein solches Gespräch – und nun beschwert sich diese Person, die ich seit Jahren kenne und wirklich in mein Herz geschlossen habe, dass ich sie nicht mehr mag, sie nicht verstehe, sie beschwert sich bei anderen, dass ich mich doch geändert hätte, beschuldigt – drückt ihren Schmerz aus! Ich habe aber nur einen Grund in diesen Situationen offen zu sein: DER MENSCH HAT ES NICHT VERDIENT SICH IN ABHÄNGIGKEITEN ZU BEGEBEN! – und genau das zu erkennen tut manchmal unendlich weh!

Lasst uns eines tun: dem Wachstum und der Größe der Menschen verpflichtet sein – und nicht als Gönner durchs Leben schreiten und Menschen in ihren begrenzten Mustern zu bestätigen. Das tun wir auch beim NfH – Hilfe zu Selbsthilfe! Nicht mehr – aber auch nicht weniger!

Ihr/ Euer

Dirk (Jakob)